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III 16. Mai 1903
Für den Carneval, voll Passion,
Bis nach München, (Haltstation)
Eisenbahnbillet genommen,
Sehr vergnüglich angekom̄en,
Gleich ins Putzgeschäft gerannt,
Mit Gepäck noch in der Hand.
Cousine Josi hat die Güte
Sie wählt 2 fesche Redoutenhüte
Kost'n ja blos 'n paar lumpge Mark,
Die Manie war dort schon arg.

Als dann mit dem Droschgkengaul,
Fuhr ich ran, war gar nicht faul,
Hielt in der Garderobe Wacht,
Auf des Bäschens Kleiderpracht.
Endlich trafen wir uns hier
In dem Masken - Tanz - Plaisier.
Anfangs war ich furchtbar scheu,
denn mir wards ganz zweierlei.
Später doch sehr resolut,
Auf der Maniekal's Redoute.

Sehr besetzt, schwer Platz nur kriegbar,
Und der "Vetter" nicht verfügbar,
Doch wir nahmen ein Tischchen ein,
Und bestellt'n 'ne Flasche Wein!




Rechts biet' uns Willkom̄engruß,
Durchlaucht! Serenissimus,
Kindermann
sprach uns auch an,
War ein sehr charmanter Mann.
Wer ich sei, sprach er mit Lobe;?
Ich sagte nur: Die rote Robe.

Plötzlich war ich in der Enge,
Ganz allein in dem Gedränge
Tanzend fest umhergerüttelt,
die Manie ward stark geschüttelt!
Ach ich Unschuld von dem Lande,
Wie ich mich zum Andern nannte;
Da! Ein freudiges Bewegen,
Denn der Cousin tat sich regen
Als ich dacht, wenn nur wer käme,
Und mich mit zum Speisen nähme!?

Großes, freudges Wiedersehen,
dann allmählich aufwärts gehen,
Lassen uns gemütlich nieder,
die Manie regt' sich schon wieder!
Trinken auf des Gatten Wohl,
Da war ich noch nicht ganz toll.




Roastbeef hat mir sehr gemundtet
Champus hats noch abgerundet,
Kerzenlicht und Gläserklang!
Dafür hab ich stets 'nen Hang.

Schachmatt wir ins Cafe trollen,
Neffe mich erwarten sollen.
Fuhren jedes dann nachhaus,
Schad, daß die Geschicht war aus!
Morgens um die Fünfe
Machten wir uns auf die Strümpfe.
Hatt' Geschmack daran gefunden; -
Doch das sei nichts zum Gesunden,
Ohne Mann vom Ball parè,
Gib nur acht, wie es da geh!-