© Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren
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Liebe Mutter!

Ich hoffe mein Schreiben wird Dich in bester
Gesundheit antreffen. Ich bin Gott sei Dank
gesund u. wünschte gar nichts als sobald
wie möglich mich zu holen. Denn Du weist
es selbst, daß ich wider in meinen Dienst
tret, es ist mir viel Schaden der ganzen
Zeit da zu sein u gesund zu sein u ich hab
sag es zu unserm Hernn Direktor jeden Früh
er möchte mich doch bald zu Haus laßen aber
er gibt mir im̄er zur Antwort ich wäre noch
nicht gesund.. Ich weiß es gar nicht wie es
hier ist, bezahlst Du für mich oder wird es
von Magistrath bezahlt, daß man mich nicht fortläßt
ode u warum schickst Du den Herr [Name]
nicht ich bin jetzt schon so lange Zeit da
kümerst Du dich nicht um mich. man muß
mich ja doch fort lassen wen̄ ich gesund bin
ich bin ja doch nicht her geheirathet schreib du




sobald wie möglich oder hol mich ab ob
du komst oder der [Name], daß ist im̄er
einerlei es s mir wird es hier ganz Angst
u bang es sind Leute da 2 Jahr biß sie
fortkomen, daß kanst Du mir doch nicht
verdenken, daß ich zu Dir nach Haus verlang
ich kan̄ in meine junge Jahr nicht in daß
Schloß rein sitzen u. Trübsal blaßen u
Elend schwitzen ich hab in München ein
ander Leben ghabt wie da wen̄ man
gesund ist ich hab draust meinen Lohn
u kom̄ zu was wie da da muß ich
den̄ ganzen Tag sitzen u Strohsäck nahen
u so fort so geht es mir nicht so übel
mein Herz verlangt nur wider nach München
in Dienst als Kellnerin oder Ladnerin
mir ist mein Leben so zuwider u so verthan
daß ich es Dir gar nicht schreiben kan̄
Da ist es wie in einem Spital, w
Ich bitt Dich schreib mir sobald wie
möglich am liebsten ist es mir Du
holst mich oder last mich holen ich wein
ganze Täg lang vor lauter Heimweh




da herin ist so langweilig u so abgesch[? ?? ?]
komt es mir vor Du allmächtiger Gott
warum hast du mich darein gethan, daß
kan̄ ich gar nicht verstehen. Ich will naus
an meine Dienst u verdien mir mein
Lohn drausten ich kan̄ meine Zeit in
meinen schönsten Alter nicht darin sitzen
von einem Tag auf den andern wart
ich es komt nicht einmal ein Brief
vielwenger mich zu holen der [Name]
hat mich rein er kümert sich weiter nicht
mehr u Du noch vielweniger gesund bin
ich fehlen thut mir gar nichts mehr oder
schreib an Herrn Direktor, daß er mich
fortlaßen muß u schick mir Geld für
auf die Eisenbahn zum fahren ich bitt
Dich noch einmal verlaß mich nicht
viele Grüße an Herrn [Name]
Ich
verbleibe deine dich
liebende Tochter
Margaretha [Name]




An

Katharina [Name]
bei Herrn [Name]
Kleidereiniger Sendlinger-
gasse neben in
Otalbräu München